01.09.2025: Dringliche Interpellation «Fragen zu Epic in der Insel Gruppe und den Epic-Plänen des Regierungsrats»
Bis am 19. September 2025 läuft die Vernehmlassung für die Revision des Spitalversorgungsgesetzes (SpVG).(1) Der Regierungsrat möchte mit der SpVG-Revision insbesondere die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer kantonalen Gesundheitsplattform schaffen. Damit möchte der Regierungsrat – richtigerweise – den Datenaustausch und die Vernetzung zwischen den Akteuren und Akteurinnen des Gesundheitswesens stärken.
Am 2. März 2024 hat die Insel Gruppe das Klinikinformations- und -steuerungssystem des amerikanischen Software-Anbieters Epic Systems, kurz: «Epic», eingeführt. Aus dem Vortrag zur Vernehmlassungsvorlage geht hervor, dass der Regierungsrat Epic als Grundlage für die digitale Gesundheitsplattform festlegen möchte.
Der Regierungsrat wird in diesem Zusammenhang um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
- Wie hoch sind die bisherigen Kosten für die Einführung von Epic in der Insel Gruppe? Die Antwort soll sämtliche wesentlichen direkten und indirekten Kosten enthalten, mitunter den (kalkulatorischen) Personalaufwand bei der Insel Gruppe. Die Antwort soll insbesondere ersichtlich machen, wie hoch die Kosten für das Vorprojekt, für Lizenzen, Schulungen, Reisekosten, Beratung, Customizing und Anpassung von Epic und Hardware-Anschaffungen bisher waren. Soweit die Kosten nicht exakt beziffert werden können, sind sie zu schätzen. Durch Externe und durch Interne erbrachter Aufwand sind separat aufzuführen. Durch Interne erbrachter Aufwand beinhaltet auch den anwenderseitigen Aufwand, bspw. für Bestellung, Tests und Abnahme von Customizing und Anpassungen.
- Wie viele nichtmedizinische Fachpersonen arbeiten oder arbeiteten in Zusammenhang mit der Ein-führung von Epic für die Insel Gruppe? Die Antwort soll nach Profil der Fachpersonen (z. B. Informatiker:in, Controller:in) und nach Beschäftigungsverhältnis (d. h. intern/extern) gegliedert sein. Es soll zudem ausgewiesen werden, wie viele eigentlich klinisch tätige Mitarbeitende (FTE) nun ganz oder teilweise im IT-Bereich arbeiten bzw. für den Projektzeitraum ins Epic-Team überführt wurden.
- Wie viele nichtmedizinische Fachpersonen (FTE) arbeiten für den Betrieb von Epic für die Insel Gruppe? Wie viele waren es vor der Einführung von Epic für den Betrieb der Systeme, die durch Epic ersetzt wurden? Die Antwort soll wie bei Frage 2 gegliedert sein.
- Welche Fachanwendungen wurden an der Insel Gruppe durch Epic ersetzt? Welche sind noch heute, neben Epic, in Verwendung?
- Kann die Insel Gruppe die Server, auf denen Epic betrieben wird, alleine – ohne das Projekt «Digitale Gesundheitsplattform Kanton Bern» – auslasten? Wie hoch ist die Auslastung aktuell (z. B. durchschnittliche CPU-Last und Arbeitsspeicher-Verwendung)?
- Verfügt der Regierungsrat über belastbare Evidenz, dass die Einführung von Epic an der Insel Gruppe wirtschaftlicher als alle anderen Lösungen ist? Wenn ja, wie wird diese Evidenz genau hergeleitet?
- Woraus schliesst der Regierungsrat, dass die Einführung von Epic bei der Insel Gruppe ein Erfolg war? Wie unterscheidet er insbesondere, ob Epic einfach im Vergleich mit dem zuvor in der Insel Gruppe eingesetzten Klinikinformationssystem ipdos besser abschneidet oder ob es auch im Vergleich mit anderen Klinikinformationssystemen besser abgeschnitten hätte?
- Wie stellt der Regierungsrat sicher, dass die weiteren Leistungserbringer gemäss der Gesundheitsteilstrategie «Integrierte Versorgung» (also bspw. Spitex-Organisationen und Langzeitversorgungsbetriebe) an eine auf Epic basierende digitale Gesundheitsplattform angebunden werden können?
- Wie stellt sich der Regierungsrat den Datenaustausch mit Leistungserbringern in anderen Kantonen vor, wenn im Kanton Bern eine auf Epic basierende digitale Gesundheitsplattform eingeführt wird?(2)
- Die nächste Version von Epic soll noch vor 2030 zur Verfügung stehen. Ein Wechsel auf diese Version dürfte zwingend sein. Mit welchen Kosten für die Migration auf die neue Version und für deren Lizenzierung und Betrieb rechnet die Insel Gruppe?
- Gemäss Kapitel 2.2.2 des Vortrags zur SpVG-Revision wurde jene Phase des Projekts «Digitale Gesundheitsplattform Kanton Bern», in welcher der «Business Case» plausibilisiert wurde, bereits abgeschlossen. Ein Abschlussbericht liege vor. Wo steht dieser Bericht der Öffentlichkeit zur Verfügung?
- Haben der Regierungsrat und die Gesundheits- und Sozialkommission (GSoK) Einblick in den Vertrag zwischen der Insel Gruppe und Epic Systems erhalten?
- Gemäss Kapitel 2.2.2 des Vortrags zur SpVG-Revision wurden Kellerhals&Carrard mit rechtlichen Abklärungen zum Anschluss der Listenspitäler an die digitale Gesundheitsplattform Kanton Bern beauftragt. Nach welchen Kriterien vergab der Regierungsrat dieses Mandat?
- Der Regierungsrat wählt die Verwaltungsratsmitglieder mehrerer Spitalgruppen im Kanton Bern. Wie stellt der Regierungsrat sicher, dass Spitalgruppen, die mit der vom Regierungsrat geplanten Anschlusspflicht der Listenspitäler an eine digitale Gesundheitsplattform mit Epic als Kernsystem nicht einverstanden sind, diese Meinung frei äussern können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen?
Begründung der Dringlichkeit:
Der Regierungsrat hat kürzlich bekanntgegeben, dass er Epic als Grundlage für eine digitale Gesundheitsplattform im Kanton Bern festlegen möchte. Dies ist ein Vorhaben mit erheblichen finanziellen Folgen und Auswirkungen auf das Gesundheitswesen im Kanton Bern und seine Leistungserbringer. Der Regierungsrat treibt das Vorhaben voran. Daher braucht der Grosse Rat rasch Antworten auf die gestellten Fragen. Die Interpellation steht auch in Zusammenhang mit der dringlichen Motion «Digitale Gesundheitsplattform Kanton Bern: die Wahl der Software muss offenbleiben» und soll auch daher dringlich beantwortet werden.
(1) Unterlagen siehe https://www.rr.be.ch/de/start/beschluesse/suche/geschaeftsdetail.html?guid=3a6d4cf0c89643bd805c870b51e5135d.
(2) Vgl. auch das nationale Programm «DigiSanté» (https://www.digisante.admin.ch/de). DigiSanté verfolgt unter anderem folgendes Ziel: «Standardisieren: Der sichere und nahtlose Datenaustausch zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens wird etabliert, und die Effektivität und Effizienz der Gesundheitsversorgung werden durch datenbasierte Leistungserbringung verbessert.»
Titel: Fragen zu Epic in der Insel Gruppe und den Epic-Plänen des Regierungsrats
Art des Vorstosses: Dringliche überparteiliche Interpellation
Sprecher: Casimir von Arx
Weitere Urheber:innen (7): Fredy Lindegger (Grüne), Katja Streiff (EVP), Peter Gerber (Die Mitte), Melanie Gasser (GLP), Manuela Kocher Hirt (SP), Andreas Michel (SVP), Samuel Kullmann (EDU)
Status der Bearbeitung & version française: siehe Website des Grossen Rates (falls dieser Direktlink nicht mehr funktioniert, bitte direkt auf der Seite des Grossen Rates unter www.gr.be.ch suchen; der Vorstoss trägt in der Systematik des Grossen Rates die Geschäftsnummer «2025.GRPARL.466»)
