Zum Hauptinhalt springen

03.12.2025: Motion «Erprobung des Verzichts auf die Fuchsjagd»

Antrag:

Der Regierungsrat wird wie folgt beauftragt:

  1. In einem geeigneten begrenzten Gebiet im Kanton Bern wird unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt, welche Folgen der Verzicht auf die Rotfuchsjagd hat.

  2. Der Grosse Rat wird in geeigneter Weise über die Ergebnisse der Untersuchung und daraus resultierende Handlungsoptionen und -empfehlungen informiert.


Begründung:

Jedes Jahr werden in der Schweiz in der Regel zwischen 15'000 und 25'000 Rotfüchse abgeschossen.(1) Im Kanton Bern sind es zwischen 2'000 und 3'500 Rotfüchse. Typischerweise bezwecken die Abschüsse:

  1. die Seuchenbekämpfung,
  2. die Bestandsregulierung,
  3. den Schutz anderer Tierarten,
  4. die Wildschadenverhütung,
  5. die Beschaffung von Rohstoffen für Kleidung oder Schmuck,
  6. die Ausübung der Jagd als Tradition.

Andere Zwecke der Jagd wie Nahrungsbeschaffung, Trophäenjagd oder Beschaffung von Rohstoffen für Medikamente stehen beim Rotfuchs nicht im Vordergrund.

Zweck e) erscheint angesichts der geringen Nachfrage nach Fuchspelzen wenig plausibel.(2) Zudem ist die wissenschaftliche Faktenlage für die Wirksamkeit der Fuchsjagd im Sinne der Zwecke a) bis d) äusserst dürftig.(3) Es gibt viele Hinweise darauf, dass mit Blick auf die Erreichung dieser Zwecke ein evidenzbasierter Umgang mit dem Rotfuchs anders aussehen würde. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass im Kanton Genf die Jagd für Privatpersonen seit 1974 verboten ist.(4) Dies gab bislang offenbar keinen Anlass, das Jagdverbot aufzuheben.(5)

Es stellen sich also Fragen wie: Welchen tatsächlichen Einfluss hat der Abschuss von Füchsen langfristig auf den Fuchsbestand? Welchen Einfluss hat der Abschuss von Füchsen auf die Verbreitung von Krankheiten, die vom Fuchs via Fuchs übertragen werden? Wo pendelt sich das Nebeneinander von Menschen und Füchsen ohne Fuchsjagd ein? Wohlverstanden bestreiten die Motionärinnen und Motionäre nicht, dass es zuweilen Probleme mit Füchsen gibt. Mit dieser Motion wird indes gerade untersucht, welchen Beitrag die Jagd unter dem Strich zur Lösung dieser Probleme leistet.

Vor diesem Hintergrund wird der Regierungsrat aufgefordert, die Wirkung eines vollständigen oder teilweisen Verzichts auf die Fuchsjagd zu erproben. Dazu soll in einem geeigneten Gebiet im Kanton Bern für eine ausreichend lange Dauer eine Untersuchung unter wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt werden. In der Untersuchung soll insbesondere geklärt werden, welche Auswirkung der Verzicht auf die Fuchsjagd auf den Fuchsbestand, die Wildtiergesundheit, die öffentliche Gesundheit, die Artenvielfalt die Landwirtschaft und den wirtschaftlichen Nutzen des Fuchses (z. B. als Schädlingsbekämpfer) hat. Während der Untersuchung können alternative Methoden zur Erfüllung der Zwecke a) bis d) erprobt werden, beispielsweise der gezielte Einsatz von Entwurmungsködern zur Förderung der Wildtiergesundheit. Die Jägerschaft kann in geeigneter Weise beigezogen werden.

Der Regierungsrat informiert den Grossen Rat in geeigneter Weise über die Untersuchungsergebnisse und daraus resultierende Handlungsoptionen und -empfehlungen. Er kann die Information mit Erfahrungen aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland anreichern, soweit sie auf den Kanton Bern übertragbar sind.

 

(1) Ohne sog. Spezialabschüsse. Vgl. die Eidgenössische Jagdstatistik, https://www.jagdstatistik.ch/de/statistics.

(2) Vgl. den BZ-Artikel «Umstrittene Fuchsjagd – Die meisten der 3000 geschossenen Tiere landen im Abfall» vom 30.10.2025 (https://www.bernerzeitung.ch/fuchsjagd-in-kanton-bern-3000-fuechse-geschossen-sinnvoll-318791863678).

(3) Siehe beispielsweise zum Thema Seuchenbekämpfung: Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit wurde bspw. die Tollwut letztlich durch Impfköder ausgerottet (https://www.bag.admin.ch/de/tollwut).

(4) Es werden lediglich bis zu 20 Spezialabschüsse pro Jahr an Rotfüchsen vollzogen. Siehe Eidgenössische Jagdstatistik.

(5) Ob Wildtiere von Privatpersonen oder von Staatsangestellten abgeschossen werden, ist aber nicht Thema dieses Vorstosses. Es geht einzig darum, ob Abschüsse die angegebenen Zwecke erfüllen.


Titel: Erprobung des Verzichts auf die Fuchsjagd

Art des Vorstosses: Überparteiliche Motion

Sprecher: Casimir von Arx

Weitere Urheber:innen (6): Susanne Clauss (SP), Mathias Müller (SVP), Dominique Bühler (Grüne), Hanspeter Steiner (EVP), Peter Flück (FDP), Claudine Esseiva (FDP)

Status der Bearbeitung & version française: siehe Website des Grossen Rates (falls dieser Direktlink nicht mehr funktioniert, bitte direkt auf der Seite des Grossen Rates unter www.gr.be.ch suchen; der Vorstoss trägt in der Systematik des Grossen Rates die Geschäftsnummer «2025.GRPARL.1535»)